Kommunikationsprofil

KOMMUNIKATIONSPROFIL, EINE GENAUE METHODE DER PERSONALAUSWAHL

Die Auswahl neuer MitarbeiterInnen für offene Stellen ist eine hochkomplexe Aufgabe. Neben der Fachkompetenz gewinnen Charakter und Sozialkompetenz in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung und müssen vom Personalverantwortlichen vollwertig in die Beurteilung der Bewerber einbezogen werden. Eine sorgfältige Auswahl umfasst dadurch - je nach Arbeitsplatz – die Einschätzung von 20 bis 30 Merkmalen. Um diese Vielfalt zu erfassen, wurde das Kommunikationsprofil entwickelt. Ein Kommunikations-profil ist ein neues Diagnose-Instrument, das wissenschaftlich fundiert die Eignung von BewerberInnen für Arbeitsstellen exakter vorhersagt als mit üblichen Methoden. Mit einem Kommunikationsprofil gelingt eine sichere und erfolgreichere Personalauswahl; leistungsstarke, gut ins Unternehmen passende Mitarbeiter werden leichter erkannt als bisher.

Der Personalverantwortliche bildet sich beim Vorstellungsgespräch ständig Eindrücke vom Bewerber. Um ein Kommunikationsprofil zu entwickeln, tut er das nun gezielt: Er bildet sich systematisch Eindrücke über alle 20 bis 30 arbeitsrelevanten Merkmale, indem er die verbalen und körpersprachlichen Botschaften des Bewerbers beobachtet. Ein Kommunikationsprofil ist also das Ergebnis systematischer Eindrucksbildung zum kommunikativen Auftreten einer Bewerberin über alle stellenrelevanten Merkmale hinweg. Es kann auch als schriftliches Gutachten ausgearbeitet werden. Der/die Personalverantwortliche beobachtet genau das verbale und körpersprachliche Auftreten des Bewerbers – nicht nur, was er sagt, sondern auch wie, mit welchen Körpersignalen und welchem Stimmklang er es sagt. Er/sie versetzt sich in seine Gefühlswelt und erfasst sein gesamtes Ausdrucksverhalten. So kommt der/die Personalverantwortliche zu Rückschlüssen auf Eigenschaften, Fähigkeiten und Charakter des Bewerbers. Ein Kommunikationsprofil erlaubt dadurch eine klare, wissenschaftlich nachprüfbare Prognose der Arbeitsplatz-Eignung.

ZWEI SPRACHEN

Jeder Mensch verfügt über zwei Sprachen: die Wortsprache und die Körpersprache, wobei die Körpersprache wiederum zwei Teilbereiche umfasst: den Stimmklang und die Körpersignale. Diese beiden Sprachen formen - in den drei Kommunikationskanälen „Worte und Sätze“, „Stimmklang“ und „Körpersignale“ - die gesamte menschliche Kommunikation. Was jemand sagt, ist genau so wichtig, wie – mit welcher Körpersprache- er es sagt. Dementsprechend gibt es zwei Arten des Lesens: Das Lesen von Worten und Sätzen, das Schriftsprachlesen, sowie das teilweise unbewusst-instinktiv ablaufende Körpersprach-Lesen. Das Lesen der Körpersprache erlaubt dem geübten Beobachter einen klaren Einblick in das Sein des Gegenüber, in wenigen Sekunden erkennt er die vorherrschende Stimmungslage und Einstellung. Ein Kommunikationsprofil ist also das Ergebnis der Beobachtung bzw. des Lesens der drei Kommunikationskanäle und der anschließenden systematischen Eindrucksbildung.

EINZIGARTIGKEIT

Jeder und jede verwendet diese beiden Sprachen anders, bildet Sätze, Stimmklang und Körpersignale auf verschiedene Weise und gestaltet so seinen unverwechselbaren und einzigartigen Kommunikationsstil. Genau diese individuelle Ausprägung der Kommunikation spiegelt alle wesentlichen Eigenarten wider, die in der Bewerbungssituation

von Bedeutung sind. Es gibt keine zwei Menschen auf der Welt mit der gleichen Körpersprache, jeder unterscheidet sich von anderen in Mimik und Stimmklang, daher sieht auch jeder anders aus und arbeitet auch anders. Die Färbung der Stimme, die kleinen Bewegungen des Gesichts und die größeren des Körpers sowie das Darstellen des unbewegten Körpers (Aussehen) informieren - in Kombination mit den gesprochenen Sätzen - über die aktuelle Gefühlslage sowie über Absichten und Einstellungen der Bewerberin. Und die drei Kommunikationskanäle informieren auch über ihre persönlichen Eigenschaften sowie über ihren Charakter.

GLAUBWÜRDIGKEIT AUF DREI KANÄLEN

Zentral für die Eignungsentscheidung ist der Glaubwürdigkeitseindruck, den der Bewerber vermittelt, bzw. wie ehrlich und authentisch er kommuniziert. Jeder versucht, sich verbal und nonverbal optimal darzustellen, auch wenn es nicht immer den Tatsachen entspricht. Glaubwürdige Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass die gesendeten Botschaften auf allen drei Kanälen weitgehend übereinstimmen. Drückt der Stimmklang die gleichen Informationen aus wie der gesprochene Satz und die begleitenden Körpersignale, oder weichen sie voneinander ab? Antwortet bspw. der Bewerber auf die Frage nach dem Verhältnis zu den ehemaligen Kollegen mit: „Das war gut, ich hatte wenig Probleme“, wobei er seinen Stimmklang - im Vergleich zu vorher - etwas eintrübt oder leiser wird, oder seine Mundwinkel einige Millimeter nach unten fallen lässt, so sendet er nicht übereinstimmend, nicht kongruent. Die Worte sagen: Das Verhältnis war gut, doch die Mundwinkel signalisieren: nicht gut. Oft ist Inkongruenz ein Hinweis auf eine Falsch-aussage, denn es ist sehr schwierig, auf allen drei Kanälen gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum hinweg zu täuschen (siehe Aufsatz „Die 10 wichtigsten Arten zu täuschen“). Bei Widers-prüchen empfiehlt es sich, gezielt nach zu fragen oder den Bewerber damit zu konfrontieren. Der Personalverantwortliche unterzieht also alle Aussagen des Bewerbers einer solchen Glaubwür-digkeitsanalyse, indem er Widersprüche und Übereinstimmungen der Botschaften auf den drei Kanälen feststellt.Dadurch erkennt er schnell,ob der Bewerber glaubwürdig auftritt, oder ob er z.B.

  • von Schwachpunkten ablenken oder
  • nicht existente Fähigkeiten vortäuschen will,
  • vorhandene Fähigkeiten übertreibt, oder
  • Unangenehmes verschweigt
  • Oder einfach nur die Unwahrheit sagt

Wir sind es gewohnt, auf Widersprüche allein bei den verbalen Aussagen zu achten. Das ist relativ einfach, da wir uns nur auf einen Kanal konzentrieren müssen, und das zu verschiedenen Zeitpunkten. Widersprüche der drei Kanäle zu entdecken, ist schwieriger, da wir jetzt unsere Aufmerksamkeit auf alle drei Kanäle richten, und das gleichzeitig bzw. in ganz kurzen Abständen. Doch der Aufwand lohnt sich, das Ergebnis ist oft ergiebig. Ein weiteres analytisches Mittel zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit ist die Beobachtung der unbeabsichtigt gesendeten Botschaften, sowohl die vom Bewerber selbst bemerkten als auch die von ihm unbemerkten, wobei vor allem die mikromomentanen Signale – weniger als eine Sekunde andauernden - die wahren Gefühle widerspiegeln ( z.B. das rasche Erheben vom Stuhl und sofortiges wieder Hinsetzen). Anforderungsprofil Das Kommunikationsprofil erbringt eine Eignungsprognose im Hinblick auf bestimmte Fähigkeiten bzw. Anforderungen, die im Anforderungsprofil der Stelle enthalten sind.

Hier einige wichtige Merkmale, von denen jedes ihre eigene Körpersprache hat:

  • Selbständigkeit und Verantwortung
  • Eignung für traditionelle oder für flache Hierarchien
  • Kommunikative Kompetenz: Führung, Kommunikationsmanagement, Entscheidungsvorbereitung, Problemlösung
  • Kreativität vs. Konventionalität
  • Fairer vs. unfairer Austausch
  • Durchsetzungsvermögen vs. Zurückhaltung
  • Robustheit und soziale Sensibilität
  • Engagement und Hingabe (commitment) bzw. Anspruchsdenken
  • Anständigkeit vs. Egozentrismus
  • Positive/negative Einstellung zu Kollegen und Vorgesetzten
  • Verhältnis von Kooperation zu Kompetition
  • Energetik von Stimme und Körpersignalen
  • Differenziertheit von Denken und Ausdruck
  • Agilität oder Passivität
  • Freundlichkeitsausdruck bzw. Gleichgültigkeit (z.B. Hände in Hosentaschen bei Kundengespräch)

Was genau ist Körpersprache?

Gleichzeitig mit den gesprochenen Sätzen und in den Redepausen sendet der Bewerber/Mitarbeiter unaufhörlich nonverbale Botschaften durch Stimmklang und Körpersignale, die klare Hinweise auf seine Eigenschaften und Absichten liefern. Aber was ist das genau, die Körpersprache? Die Körpersprache ist die Ursprache des Menschen, seit Millionen von Jahren Trägerin der zwischenmenschlichen Verständigung und des überlebensnotwendigen Informationsaustausches. Die Fähigkeit zum Lesen und Senden dieser Sprache ist jedem Menschen in den Grundanlagen angeboren. Durch Konzentration auf die komplizierte Wortsprache ist sie jedoch etwas in den Hintergrund geraten und zum Teil verschüttet. Unsere Vorfahren übermittelten alleine durch ihre Körpersignale alle lebenswichtigen Informationen, bis sich vor einigen zehntausend Jahren aus den Urlauten die Wortsprache herausbildete. Die Wortsprache ist also mit ihren 30 bis 40000 Jahren entwicklungsgeschichtlich noch relativ neu. Die visuellen Körpersignale und der Stimmklang spiegeln innerhalb von Sekundenbruchteilen und unabhängig vom gesprochenen Wort unsere Gefühle, Gedanken und Einstellungen wider und werden ebenso schnell vom Gegenüber aufgenommen. Die Körpersprache ist aufgrund ihres hohen Alters wesentlich stärker in unseren Tiefeninstinkten verwurzelt; sie ist daher weniger manipulierbar als die noch junge Wortsprache, weshalb sie für die Mitarbeiter- bzw. Eignungsdiagnose sehr gute Dienste leistet und wichtiger ist als die Wortsprache.